Achtung: Hochprozentige Leseprobe (nicht unter 18 Jahren konsumieren!)
... Raus geht man maximal noch zur Nocino-Verkostung. Nach Weihnachten treffen sich nämlich so ziemlich alle zur Verkostung dieses Heiligtums. Vor allem ältere Damen. Feine Damen. Zumindest vor der Verkostung. Der Nocino ist nämlich zu den Heiligen Drei Königen fertig. Wer oder was, fragt ihr jetzt, ist der Nocino? Eine Art Walnusslikör. Also, das Rezept ist ja ein strenges Geheimnis. Und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Von Mutter zu Tochter und im seltenen Ausnahmefall auch von Vater zu Sohn. Es soll da mal zwei Bergbauern gegeben haben, die abgöttisch leckeren Nocino brauten, angeblich war das Rezept von ihren Urgroßvätern. Na ja wer es glauben mag. Zur Mittsommerwende jedenfalls, am einundzwanzigsten Juni werden die noch unreifen Walnüsse aus ihrer Wiege gerissen, grob in Viertel gehackt und mit fünfundneunzigprozentigem Weingeist versetzt. Wichtig bei der ganzen Erntearbeit ist der hoch stehende, hell erleuchtete Vollmond, bei einer sonst völlig sternenklaren Nacht. Sonst wird das Ganze nix. Pech auch. Schließlich wird dieses Gebräu in riesigen Glasflaschen, noch in der selben Vollmondnacht in einen Hexenkreis gestellt. Die Alten sagen ein paar Sprüche auf, halten sich dabei an den Händen und hoffen auf die Geister ihrer Ahnen und deren Segen. Möglicherweise kommt noch die eine oder andere Zutat hinzu, manchmal auch noch Soave, irgendwann noch Gewürznelken und Zuckercoleur. Das Schwierige und fast Unmögliche an der Sache ist, dass um den Hexenkreis ein paar ortsansässige Jungfrauen einen Reigen tanzen sollen. Nur bitte, wo gibt es heutzutage noch Jungfrauen? Die keine Kleinkinder mehr sind. Und splitternackt um einen Hexenkreis tanzen wollen. Also muss man eben ein wenig schummeln. Macht auch nichts. Ist ja quasi wie in der Werbung. Alles nur Lug und Trug. Wenn dann das ganze Zeug über Monate steht und reift, ist es, wenn auch alles richtig gemacht wurde, nach Weihnachten ein Wundermittel der Natur. Oder der Hexenküche. Jedenfalls ein grenzgenialer Spezialtrunk, wenn man zu viel gegessen hat. Schmeckt na ja. Aber wirkt. Und weil die ganze Herstellung so ein Trara ist, gibt es einmal im Jahr eine Verkostung, bei der der beste Nocino gekürt wird ...
Rezeptfrei auf Bestellung
Hausgebrannter Nocino Walnuss und Kräuter Likör
33% Vol, 50 cl, Jahrgang 2007, je Flasche € 13,-. Bestellungen per E-Mail werden gerne angenommen.
Wohl bekomm's!
